Familienpfoten Elsner
Individuelles Training für Hundehalter

Tipps & Tricks für den Alltag mit Kleinkind & Hund

Man hört und liest es überall wenn man sich über das Thema Kind & Hund informiert: Regeln. Regeln die eingehalten werden müssen damit ein sicheres Miteinander möglich ist. Doch ich erlebe es immer wieder, dass Eltern damit überfordert sind, verunsichert werden oder sich am Ende gar gegen den Hund entscheiden, weil man sich dem Ganzen nicht gewachsen fühlt. 

Doch das muss gar nicht sein. Hier bekommt ihr nun ein paar Tipps & Tricks wie ihr den Alltag auch mit "Regeln" entspannt meistern könnt und einen kleinen Einblick in die Realität.

Kind & Hund nie alleine lassen

Tatsächlich ist es das A und O und DIE wichtigste Regel im Zusammenleben mit Kleinkind & Hund! Doch ich habe immer wieder Eltern im Training die daran verzweifeln.

 Wie sieht die Realität aus?

Im Alltag kommt es so schnell vor, dass man mal eben auf Toilette geht, mal eben ein Glas aus der Küche holt oder mal eben ein Spielzeug holt. Das Problem hierbei ist tatsächlich, dass man es hier und da mal macht, oft passiert einfach in der kurzen Zeit nichts was problematisch sein könnte und grade das ist gefährlich. Wir Menschen neigen dazu uns in Sicherheit zu wiegen wenn nichts passiert und schnell ist aus dem Glas was man holen möchte noch ein Butterbrot schmieren geworden. Die sitzen ja so weit auseinander....

Warum die Regel so wichtig ist

Es geht bei dieser Regel gar nicht darum, dass der Hund nicht lieb wäre, es geht darum, dass bei Kleinkind & Hund zwei Lebewesen in einem Raum sind die unberechenbar sind. Wir können einfach nicht voraussehen wie unser Hund auf ungewöhnliche Reize reagieren wird, vor allem wenn wir nicht dabei sind. Desweiteren kommen Babys und Kleinkinder auf Ideen womit kein Erwachsener rechnen kann. Kleinkinder wissen noch nicht was richtig und falsch ist und auch wenn sie den Hund schon gut kennen und einige Regeln im Zusammenleben mit ihm gelernt haben können wir nie wissen, auf welch neue Ideen unser Nachwuchs so kommt. Selbst wenn nichts passiert und euer Hund super brav ist kann es sein, dass euer Kind etwas tut, was dem Hund absolut nicht gefällt und damit die Beziehung zwischen den beiden angeknackst ist. Und dann wird es schwierig und es entstehen schnell Probleme. Hunde reagieren aber auch durchaus mal aus Reflex wenn ihnen was weh tut. Auch wenn euer Kind es nicht böse meint kann es sein, dass es eurem Hund aus Versehen Schmerzen zufügt und der Hund aus Reflex reagiert und schnappt. Dafür kann euer Hund nichts, solche Reflexe haben wir alle, sie sind wichtig, denn sie schützen uns in potenziell gefährlichen Lebenslagen.

Umsetzung im Alltag

Es gibt mehrere Möglichkeiten diese Regel einzuhalten ohne großen Aufwand zu betreiben. Zum einen sind Kindergitter da absolut Gold wert! Wenn ihr fast in jedem Raum Kindergitter habt ist es sehr leicht zu realisieren. Das Gitter zu in dem die Hunde sind und fertig. Sind Hund und Kind im selben Raum kann man das Kind auch einfach mal schnell auf den Arm nehmen und mitnehmen. Man könnte auch die Hunde mitnehmen wenn sie grade nicht ruhen. 

Auch die Wahl der Sicherheitszone bzw. des Rückzugsortes für den Hund kann hier helfen. Ist das Kind zum Beispiel meist im Wohnzimmer kann der Rückzugsort des Hundes im Flur aufgebaut werden oder in einem anderen Raum. Bei sehr kleinen Kindern die grade erst ins Krabbelalter starten gibt es noch die tolle Möglichkeit den Raum etwas zu teilen. Hierzu weiter unten mehr.

Bei kleineren Kindern ist natürlich auch ein Laufstall wertvoll wo man die Kleinen mal eben rein setzen kann oder ein Welpengitter um den Rückzugsort des Hundes, das kann man dann auch mal eben kurz zu machen. Ihr seht, Möglichkeiten dies ohne großen Aufwand zu realisieren gibt es genug. Ich berate meine Kunden auch immer gerne bei ihnen zu Hause und gebe Tipps wie was gestellt oder gestaltet werden kann um den Alltag in dem Bereich entspannter zu machen.

Einen ruhenden Hund niemals stören

Kinder sollten von Beginn an lernen, dass ein schlafender oder ruhender Hund niemals gestört werden sollte.

Wie sieht die Realität aus?

Diese Regel lässt sich bei älteren Kindern oft sehr gut einhalten. Bei Kids die grad erst im Krabbelalter sind sieht das Ganze schon anders aus. Sie krabbeln hin, man setzt sie weg und zack krabbeln sie wieder hin. Das Spielchen geht oft etliche male so, von Entspannung kann hier keine Rede mehr sein! Was folgt ist oft ein rausschicken des Hundes, ein doch zum Hund krabbeln lassen des Kindes, weil man aufgegeben hat oder ein genervt schimpfendes Elternteil. Alles nicht das Gelbe vom Ei!

Warum die Regel so wichtig ist

Schlafende Hunde können bei Berührungen, ob sanft oder ruppig, schnell mal erschrecken und reflexartig reagieren. Dass der Hund dafür nichts kann habe ich weiter oben bereits erklärt. Auch wenn er nur ruht ist es möglich, dass seine Geduld mit dem Kleinkind hier schon mal schneller ein Ende findet. 

Wenn der Hund in seinem Körbchen o.ä. ruht lernt er hierbei zudem noch, dass er keinen Rückzugsort hat wo er geschützt ist vor dem Kind und sich zurück ziehen kann wenn ihm alles zu viel wird. Die Folge kann hierbei sein, dass er in brenzligen Situationen nicht mehr einfach weg geht da er gelernt hat, dass er eh nirgendwo Ruhe hat oder auch, dass der Hund nicht mehr so entspannt ist sowohl im Allgemeinen als auch mit dem Kind. Hier können schnell Probleme entstehen.

Umsetzung im Alltag

Trainiert mit eurem Hund einen Rückzugsort, möglichst schon in der Schwangerschaft. Eine Box (nicht geschlossen) eignet sich dazu sehr gut. Zum Einen lernen Kinder leichter dass die  "Höhle" tabu ist, da es sich stärker abgrenzt als eine auf dem Boden liegende Decke ö.ä., zum Anderen bekommt der Hund in der Box nicht so viele Reize mit und kann somit besser entspannen wenn die Kids durch die Bude flitzen.

Der Standort des Rückzugsortes ist ein ganz wichtiger Faktor. Sucht euch einen etwas abgeschiedeneren Ort aus wo der Hund zwar "dabei" sein kann, aber trotzdem etwas mehr Ruhe hat. Abgeschiedene Ecken beachten die Kids auch häufig weniger als Ecken wo immer Action los ist.

Der absolute Jackpot ist eine Ecke zwischen Möbeln. Hier ganz du ganz leicht zwischen den Möbeln eine Barriere errichten aus Karton, auf die Seite gelegtem Bügelbrett oder Ähnlichem. Wie das aussehen kann siehst du auf dem Bild rechts. Das ist auch eine super Möglichkeit beim Thema Hund und Kind allein lassen, wenn das Kind noch nicht zu groß ist... 

Dem Hund niemals etwas wegnehmen

Euer Kind sollte eurem Hund niemals etwas wegnehmen, egal ob Futter, Spielzeug des Hundes oder Spielzeug des Kindes.

Wie sieht die Realität aus?

Es passiert so unfassbar schnell, dass der Hund mal was nimmt womit das Kind grade rum wedelt und genau so schnell packt euer Kind wieder danach und holt es sich wieder. Hier bin ich ganz ehrlich: tatsächlich passiert das irgendwann mal. Selbst mein Chihuahua - Mix der eigentlich nie was ins Maul nimmt fand irgendwann mal ein Stück Decke neben meinem Sohn plötzlich spannend, zog dran und mein Sohn hat es ihm weg gezogen. Meine Hunde verteidigen allerdings - bisher - gar nichts. Weder vor uns noch vor den Kids. Diese Regel kann man mit Sicherheit, wenn man seinen Hund WIRKLICH gut kennt oder vielleicht auch nach Einschätzung eines Profis, in einem gewissen Rahmen lockern.

Warum diese Regel so wichtig ist

Wir können nie genau wissen, was unserem Hund in genau diesem Moment extrem wichtig ist. Ressourcenverteidigung ist völlig normales Hundeverhalten und grundsätzlich erstmal nichts schlimmes. Was dem Hund wichtig ist und was ihm wert ist zu verteidigen entscheidet der Hund aber immer selbst. Kinder können erste Anzeichen von Ressourcenverteidigung nicht erkennen, wie zum Beispiel das kurze einfrieren, ganz kurzes Zähne zeigen, über die "Beute" beugen oder schneller fressen. Die Vorwarnungen sind oft stumm und fein und nicht selten kommt es vor, dass der Hund gar nicht knurrt. Das ist selbst für manche Hundehalter schlecht einzuschätzen, wie sollen es also unsere Kinder erkennen?

Umsetzung im Alltag

Die Umsetzung dieser Regel ist zum Großteil relativ einfach. Das meiste lässt sich über Management lösen. Futter und Spielzeug des Hundes sollten einfach nicht rumliegen. Knabbersachen können hervorragend in der Sicherheitszone gegeben werden und Spielzeug wird einfach weg gepackt nach dem Spielen. Füttern kann man je nach Alter direkt mit den Kids gemeinsam. Der Napf wird hingestellt und anschließend setzt man sich ein wenig entfernt mit dem Nachwuchs hin und beobachtet den Hund. Das machen selbst die ganz Kleinen oft schon gern. Hierbei lernen sie direkt, das Abstand wichtig ist wenn der Hund frisst. Bei uns ist es zu einem abendlichen Ritual vor dem Schlafengehen geworden. Beim Zuschauen besprechen wir auch gern gemeinsam, was die Hunde da grad machen und üben ein wenig die Körpersprache - altersgemäß natürlich. Nach dem Füttern Näpfe außer Reichweite des Kindes stellen!  

Schwieriger wird es bei Kinderspielzeug, Kuscheltieren oder Alltagsgegenständen die sich der Hund mal kurz klaut. Hier helfen wirklich nur Management und aufpassen. Man kann dem Hund zum Beispiel anweisen in seine Sicherheitszone zu gehen, während man spielt oder man geht dazu einfach ins Kinderzimmer und macht das Kindergitter zu. Sehr gut ist natürlich, wenn der Hund gelernt hat nur auf Signal ins Zimmer zu kommen. So kann man in Ruhe spielen. Ansonsten ist hier einfach Training angesagt. Es ist möglich dem Hund beizubringen, dass er gar kein Spielzeug des Kindes ins Maul nimmt und Gegenstände die nicht ihm gehören, grundsätzlich liegen lässt. 

Bringt den Kids auch am Besten von Anfang an bei, dass sie einen Erwachsenen rufen wenn euer Hund irgendwas im Maul hat. So könnt ihr das dann regeln. Bitte seht davon ab euren Hund zu strafen wenn er knurrt. Warum das grade im Alltag mit Kindern wichtig ist, lest ihr hier.

Was hier in diesem Bereich einfach am meisten hilft: Training an Ressourcen. Ressourcen abgeben, Ressourcen wegnehmen... Wenn ihr das gut trainiert und euer Hund dadurch kein Problem mehr damit hat oder schon auf Signal auf Entfernung Dinge fallen lässt ist das die halbe Miete. Denn dann ist es im Notfall gar nicht so schlimm.

Training ist alles

Generell bei Allem im Bereich Kind bzw. Kleinkind & Hund ist Training das A und O. Man kann so viele Dinge trainieren die das Zusammenleben noch entspannter machen wie zum Beispiel ein Signal, dass man den Hund auf Entfernung in die Sicherheitszone schicken kann oder eine Tabuzone für den Hund bzw. Sicherheitszone für das Kind. Man kann trainieren, dass der Hund kreischende und rennende Kinder total okay findet und dass es immer toll ist wenn das Kind ihn anfasst (präventiv sehr gut für den Fall der Fälle).

Was ihr alles trainieren könnt um den Alltag zu erleichtern, lernt ihr in meinem "Schwangerschaftskurs" für Hundehalter oder auch in meinem Kurs "Kleinkind - Alltagstraining". Selbstverständlich stehe ich für euch auch im Einzeltraining zu dem Thema beiseite!