Familienpfoten Elsner
Individuelles Training für Hundehalter

Von Cesar Millan zu positiver Verstärkung - unser Weg

Tja, warum trainiere ich heute wie ich trainiere? Alles fing mit Simba an - meinem ersten Hund. Er war sensibel, lieb und agil. Ich war damals total unwissend in der Hundeerziehung, bis Simba kam standen Pferde in meinem Lebensmittelpunkt. Man hat sich also viel angeschaut um sich zu informieren und als er dann da war natürlich viele Ratschläge bekommen auf Hundewiesen. Die gingen so ziemlich alle in die gleiche Richtung:

"Guck dir mal Cesar Millan an, so macht man das!" , "Du musst der Rudelführer sein, der muss sich unterwerfen!"

Die werden mit ihrer langjährigen Erfahrung schon Ahnung haben... Also angeschaut und" nachgemacht". Aufgrund Simbas Sensibilität musste ich da kaum was von realisieren, er "kuschte" sofort. Nach Simbas tragischem und schnellem Tod kam dann Sawyer. Mein "Großer, mein "Fetti" - mein Seelenhund!

Sawyer war das, was ich wohl einen Katastrophenwelpen nennen würde! Wer den Film "Marley und ich" kennt hat vielleicht eine vage Vorstellung was ich meine... Er war der Welpe, der auf all seinen Geschwistern rum gesprungen ist und ihnen an den Ohren zog, während sie alle versuchten zu schlafen. 

Sawyer brachte mich echt an meine Grenzen. Als ziemlich großer Cesar Millan Fan der ich mittlerweile war, wusste ich natürlich was zu tun ist! Also Würger drauf, schön hinter die Ohren und ab Marsch nach draußen! Als er sich dann tatsächlich nach einigen Wochen in einer Situation fast erwürgte, da er nicht locker ließ an der Würgeleine als er zum anderen Hund wollte, packte ich diese zumindest erstmal in den Keller. Unser Alltag war voll mit "Berührungen" in die Flanken, Alpharollen, Bedrängen und Sonstigem. Das ganze Programm halt was so ein "Problemhund" braucht, der sich zum verrecken nicht unterwerfen möchte. 

Dann passierte es. Es kam dieser eine Tag der den Stein ins Rollen brachte. Sawyer war mittlerweile 8 / 9 Monate alt. Draußen im Freilauf achtete er schon regelmäßig darauf, sich von mir etwas fern zu halten. Als er drin nach einem Gassigang wieder total überdrehte und Theater machte, musste die Alpharolle her um ihn runter zu holen! Ich packte ihn mir also, drehte ihn mit ganzer Körperkraft auf der Rücken und ZACK - da war es schon passiert. Er biss mir in die Hand und ich hatte ein kleines Loch! 

Da saß ich nun erstmal, am heulen vor Wut und Enttäuschung... Es folgten viele plagende Gedanken. Ich hatte doch alles richtig gemacht? 

Ich begann mich weiter umzuschauen und mir andere Tipps zu holen auf der Hundewiese. Immer noch Fan von Cesar Millan hab ich sehr schleppend andere Meinungen zu gelassen. Und trotzdem probierten wir Einiges. Die weiteren Monate waren geprägt von Rappeldosen, Wurfschellen, Leinenrucke, Blockieren, Wasserpistolen usw. 

Alles "fachgerecht" angewandt über einen längeren Zeitraum (bis auf die Wasserpistole, die fand er total toll) aber nichts brachte so wirklich Erfolg.

Ich weiß gar nicht wie genau ich dann endgültig zur positiven Verstärkung und damit Training über Spaß und Motivation kam. Ich lernte neue Leute kennen die so ganz anders umgingen wie ich es bisher tat und kannte, gleichzeitig schloss ich mich "Andersdenkenden" Facebookgruppen an um doch vielleicht 1 - 2 gute Ideen abzugreifen, auch wenn ich die alle für "komisch" hielt. Dann begann das Ein oder Andere recht zügig zu klappen. Der Wunsch Hundetrainer zu werden bestand da schon lange. So wie Cesar Millan zu sein war schon zu Simbas Zeiten mein Traum. 

Ich begann also auch noch ein Ausbildung zur Hundeverhaltensberaterin & -verhaltenstherapeutin - wenn dann gleich richtig! Was ich da lernte war so ganz das Gegenteil von dem, was ich von Cesar Millan "gelernt" hatte. Die Ausbildung war sehr umfassend. Nach den ersten sehr umfangreichen Monaten mit den Themen "Geschichte der Ethologie, Ethogramm, Wolf, Wolf - Hund, Verhaltensphysiologie & - ökologie" wurde relativ schnell klar: der erzählt ziemlichen Blödsinn! Einige Zeit war ich noch im Zwiespalt, doch umso länger meine Ausbildung ging desto mehr begann ich ihn bzw. seine Methoden zu verabscheuen. 

Sawyer machte mit dem "neuen Training" unfassbare Fortschritte. Bis auf seine Leinenaggression, die leider Überbleibsel aus den unfassbar schlechten Trainingsmethoden waren, wurde er ein Traumhund! Die Leinenaggression saß tief. Zu oft wurden seine Bedürfnisse überhaupt nicht gehört und sein Verhalten völlig fehlinterpretiert! Etwas, dass man heute noch merkt. Sobald ich mal keine guten Nerven habe und annähernd meckere oder er ein Halsband um hat, verfällt er in alte Muster. Allerdings ist die Bindung eine ganz Andere!

Hätte man mich damals gefragt ob wir eine gute Bindung haben, hätte ich sofort "JA" gesagt! Heute kenne ich den Unterschied und muss sagen - dazwischen liegen Meilen! Seit einem halben Jahr lässt er nun endlich Nähe zu, kommt kuscheln und möchte Körperkontakt. 6 Jahre ist er nun alt und 4 Jahre hat es nun für dieses Vertrauen gebraucht wieder Nähe zu mir zu suchen. 

 

Warum erzähle ich euch das? 

Ich möchte, dass ihr wisst, dass nicht jeder perfekt ist, dass alle mal Fehler machen und auch wenn jemand drunter leidet - wie Sawyer in diesem Fall - kann man es wieder gut machen, lernen es besser zu machen, wenn man es nur zulässt! Ich verteufel auch niemanden der mir im Training mit der Dominanztheorie und Cesar Millan kommt, denn ich weiß nur zu gut wie leicht man sich von ihm überzeugen lässt. Ich habe für jeden Cesar Millan Fan Verständnis und stehe immer gern für Gespräche dahingehend zur Verfügung. Ich kläre gern auf und liebe es auch zu sehen, wie Halter plötzlich viel entspannter mit ihren Hunden werden, weil sie nicht mehr so doofe Sachen mit ihrem Hund machen "müssen". Ich habe auch viel Verständnis und gebe gern Zeit umzulernen. Das geht nicht von heut auf morgen, das weiß ich selbst am Besten! Aber es lohnt sich!

Das ist auch der Grund warum ich im Endeffekt Trainerin geworden bin. Ich mag die Leute aufklären und ihnen ein besseres und schöneres Miteinander mit ihren Hunden zeigen! 

Wir haben so viele Trainingsmethoden durch und ich kenne die Vor- und Nachteile der ganzen Methoden nur zu gut. Sawyer und ich sind einen sehr langen Weg gegangen um so zueinander zu finden wie es heute ist. Ich möchte einfach, dass diesen Weg nicht noch mehr Hunde durchmachen müssen oder mag ihnen zumindest dazu verhelfen gehört und verstanden zu werden und ein Team mit ihren Besitzern zu werden die sich aufeinander verlassen können!

Also informiert euch! Nehmt nicht alles hin sondern hinterfragt! Und ihr werdet sehen, es kann so viel schöner sein als es ist :)

Übrigens: Nein ich hasse und verabscheue nicht die Person Cesar Millan, ich denke sogar, dass er ein ganz netter Typ ist, das macht seine grässlichen Methoden allerdings nicht besser!